KULTURAUSSCHUSSSITZUNG 04.03.2003

Theater- und Konzertprogramm 2004/2005

Bei der Programmvorstellung 2004/2005 wird wieder (wie schon in den Vorjahren) deutlich, dass die Schwerpunkte in die Vielseitigkeit und Ausgewogenheit des Konzertprogramms gelegt wurden. Bis auf die doch wieder vermehrt gebuchten Konzerte aus dem Bereich der Neuen Musik ist das durchaus gelungen!

Anders sieht es beim Sprechtheater aus. Die geänderte Situation aufgrund der Schließung des Theaters lässt die stiefmütterliche Behandlung noch deutlicher werden. „Neues Programm aus alten Schläuchen“ lässt sich die Auswahl der geplanten Stücke überschreiben. Erfreulich ist allerdings, dass sich die bewährten Bühnen offensichtlich auch mit der im Vorfeld argwöhnisch beäugten Stadthalle arrangieren können.

Das sie trotz der immer wieder angeführten mangelhaften Akustik und sogar ganz ohne Abonnenten gefüllt werden kann, zeigen Jahr für Jahr die Veranstaltungen der privaten Anbieter.

Von neuen Impulsen wird bei der verstärkten Einbindung der Jugend gesprochen. Das scheint uns doch sehr gewagt. Heißt das im Umkehrschluss: ohne Theaterschließung wäre es dazu nicht gekommen?

Erfreulich ist, dass endlich einmal der Weg über die nahe Grenze gewagt und für die Jugend das Bielefelder Alarm-Theater eingeladen wird. Auch andere Stücke im Jugend-Programm machen Lust auf die kommende Saison. Die BfGT hat diese Art von Theateraufführungen immer wieder gefordert. Dankeschön.

Ganz anders sieht das im Erwachsenen-Programm des Sprechtheaters aus. Von einer kreativen Offensive ist leider nichts zu spüren. Obgleich Alternativen vorhanden sind. Die prekäre Lage der subventionierten Theater in Deutschland und die abnehmenden Abonnentenzahlen aufgrund von notwendigen privaten Einsparungen und der hohen Altersstruktur lassen immer mehr Theatermacher daran denken, mit alternativen Spielstätten und entsprechend darauf abgestimmten Programmen ein anderes als das gewohnte Publikum zu erreichen. Auch in Gütersloh ist in diesem Zusammenhang mehr Kreativität gefragt. Fabrikhallen, Busdepots, Sporthallen, Güterbahnhof, Open Air Aufführungen z.B. im Mohnpark, im Parkbad oder auch im Heidewaldstadion

Ist es so undenkbar, auch dort Theater anzubieten? Natürlich ein etwas anderes Theater, aber gerade das würde viele neugierig machen. Die Theater existieren, die Passendes dazu bieten. Selbst in der näheren Region. Warum scheut man sich im Fachbereich Kultur bisher, neue Wege zu versuchen und mit z.B. freien, unabhängigen Theatern Kontakt aufzunehmen, die zudem auch noch preiswerter als die hoch subventionierte Bühnen engagiert werden können? Die BfGT verweist jedes Jahr aufs Neue auf diese alternativen Möglichkeiten.

Unserer Meinung nach ist es eine Fehleinschätzung, wenn für den Abonnenten-Rückgang immer wieder nur die Schließung der Paul-Thöne-Halle und das Provisorium Stadthalle verantwortlich gemacht wird. Wir wären schon längst einen Schritt weiter, wenn die Umbaupläne der Architektenfamilie Beckmann ernsthaft geprüft worden wären.

Ein wirklicher Problemfall ist das klassische Operetten- und Opernangebot. Es findet aus bekannten Gründen nicht mehr statt. Hier bietet sich als Kooperationspartner der Theater-Förderverein an. Gemeinsame Fahrten nicht nur für Vereinsmitglieder nach Bielefeld, Osnabrück, Detmold, Dortmund oder Hannover würden Erlebnisse ohne Kompromisse direkt vor Ort ermöglichen. Die Verantwortlichen müssen es nur wollen.

Fazit:

Note 2 für das Konzert-Programm, Note 2+ für das Kinder- und Jugendangebot, wobei wir es erfreulich finden, dass Schultheater in der Westfälischen Klinik durchaus möglich ist, was ja von vielen bestritten wurde. Note 3- für das Sprechtheater, außer Wertung: Operette und Oper.