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WIGGINGHAUS: Wir haben in der Finanzplanung
aus dem Nachtragsetat zum einen ein Loch von 4 Millionen Euro. Hinzu
kommen folgende Belastungen: Anstieg der Kreisumlage um 2,5 Millionen
Euro und
Tarifsteigerungen von 1,6 Millionen Euro. Das macht also unterm Strich
gut 8 Millionen Euro. Dank der unerwartet hohen Schlüsselzuweisungen
des Landes verringert sich der Fehlbetrag jedoch um 5 auf etwa 3 Millionen
Euro. WIGGINGHAUS: Zumindest freue ich
mich, dass wir in den anstehenden Etatberatungen wohl eine etwas sanftere
Landung hinbekommen. Das heißt aber nicht, dass wir unsere Sparlinie
verlassen können. Schließlich können wir nicht davon ausgehen,
im folgenden Jahr erneut so hohe Schlüsselzuweisungen zu erhalten.
Außerdem sind die Eckdaten noch mit Risiken behaftet. Das gilt für
die Einkommenssteuer, die sich nicht so rosig entwickelt wie angenommen.
Möglicherweise müssen wir unseren Ansatz um 1,5 Millionen Euro
nach unten korrigieren. WIGGINGHAUS: Das Ziel ist, dass
wir das Haushaltsjahr mit einer schwarzen Null beenden. Aus heutiger Sicht
sieht es nach einer Punktlandung aus. WIGGINGHAUS: In unserem internen
Haushaltsrundschreiben haben wir eine Einsparvorgabe von 11,7 Prozent
für alle Geschäftsbereiche gemacht. Das erfordert einen großen
Kraftakt, allein im Sozialbereich handelt es sich um rund 5 Millionen
Euro. WIGGINGHAUS:Sie kennen die Geschäftsergebnisse des Unternehmens. Und Sie wissen auch, dass ich ein vorsichtiger Kämmerer bin. Welche Steuerschätzungen liegen Ihnen für dieses Jahr insgesamt vor? Decken sie sich mit Ihren Annahmen? WIGGINGHAUS: Bei der Einkommensteuer
haben wir einen Rückgang von 4,7 Prozent. Möglicherweise holen
wir das bis zum Ende des Jahres nicht auf. Was die Gewerbesteuer angeht,
werden wir nach heutigem Stand das erwartete Ergebnis von 27 Millionen
Euro erreichen. WIGGINGHAUS: Die Gewerbesteuer ist
zu einer reinen Großbetriebssteuer geworden. Nur ein Bruchteil der
Gewerbetreibenden zahlt, soviel darf ich sicherlich sagen. <IP0>Das
Aufkommen der Firma Miele war und ist sehr bedeutsam für die Stadt,
während etwa das durchschnittliche Aufkommen des zahlenden Einzelhändlers
bei 5.000 Euro liegt. WIGGINHGHAUS: Die Situation dort
ist eine andere als bei Bertelsmann mit den vielen Beteiligungen. Daher
muss man eine derartige Entwicklung wohl nicht befürchten. Allerdings
sorgt die teilweise Produktionsverlagerung nach Tschechien hier nicht
für Glücksgefühle. Die Menschen in Gütersloh werden
zwar nicht arbeitslos, aber die Arbeitsplätze werden eben nicht
bei uns entstehen. WIGGINGHAUS: Ich bin sehr sicher,
dass das Verhalten des Konzerns in der Vergangenheit in Ordnung war und
auch in Zukunft in Ordnung sein wird. Wie weit es sich auswirkt, wenn
das Unternehmen umsteuert, und danach sieht es derzeit aus, ist reine
Spekulation. WIGGINGHAUS: Wir sprechen regelmäßig
mit den Großunternehmen und bestimmt zweimal pro Jahr mit dem Unternehmerverband.
Die Kooperation mit den Betrieben läuft sehr gut. So haben wir bei
der Aufstellung des Nachtragsetats sowohl von der Firma Bertelsmann als
auch von der Firma Miele Dinge erfahren, die wir nicht wussten und die
uns wirklich weitergeholfen haben. WIGGINGHAUS: Wir haben in unserer
Finanzplanung für 2003 einen Ansatz bei den Gewerbesteuern von 36
Millionen Euro. Das heißt, wir gehen von einem höheren Hebesatz
aus. Er beträgt danach 380 Punkte statt bisher 355. Und es bleibt,
wie eingangs erläutert, immer noch ein Loch im Haushalt. Ich denke,
wir müssen beides machen: Sparen und die steuerliche Einnahmesituation
verbessern. WIGGINGHAUS: Schwer zu sagen. Die
nächsten Wochen werden das zeigen. Ich weise aber schon einmal ausdrücklich
darauf hin, dass die Höhe der Schlüsselzuweisungen nicht, wie
oft von der Politik behauptet, von den fiktiven Hebesätzen abhängt.
Dies ist also kein Argument, die Steuern zu erhöhen. WIGGINGHAUS: Grundsätzlich
gilt die Sparvorgabe für die Geschäftsbereiche auch heute noch.
Natürlich versuchen wir, das sozial ausgewogen zu gestalten. Tabus
gibt es aber nicht. WIGGINGHAUS: In dieser Frage gibt
es sehr unterschiedliche Überlegungen. Ich bin der Ansicht, dass
dies die zuständigen Geschäftsbereichsleiter mit den betroffenen
Gruppierungen besprechen. Wir müssen aber bestimmte Änderungen
ausnutzen, die das Land ermöglicht hat: Stichwort Schülerfahrtkosten,
Stichwort Elternbeiträge für Schulbücher. Solche Dinge
sollten wir zuerst ausschöpfen. Auch ist zu fragen, ob weiterhin
kostspielige Klassenfahrten veranstaltet werden sollten; oder ob man
im
Kulturbereich vielleicht ein Konzert weniger anbietet. WIGGINGHAUS: Inbesondere bei den
Gebäuden sollten wir nicht kürzen. Was die Straßen angeht,
bin ich zwar kein Experte, aber der Meinung, dass wir da noch immer einen
enorm hohen Standard haben. Um dies zu erkennen, brauchen Sie nur in eins
unserer Nachbarländer zu fahren, ob das nun Belgien ist oder Frankreich. WIGGINGHAUS: Auf keinen Fall sollten
wir den Jugendbereich antasten. Dafür könnten, wie das bei den
Sporthallen in Friedrichsdorf und Spexard bereits geschehen ist, auch
Freiflächen den Vereinen zur Pflege übergeben werden. Das erste
sollte stets sein, die Menschen zu aktivieren. WIGGINGHAUS: Bei bestehenden Wohngebieten
dürfte das schwierig sein. Aber warum sollte man nicht in Neubaugebieten
damit anfangen? Solche Überlegungen werden angestellt. WIGGINGHAUS: Wir haben beispielsweise,
sicher sehr ungern, das Fortbildungsprogramm gekürzt. Wir sparen
auch beim Personal. Der Besetzungsstopp gilt weiter. Das führt mitunter
für die Mitarbeiter zu Härten. Sie müssen sich mehr strecken.
Und da bitte ich die Bürger um Verständnis dafür, wenn
manche Dinge etwas länger dauern. Auch die Politik muss wissen, dass
wir nicht auch noch die 100. Anfrage zu einem Thema beantworten können.
Wir haben ohnehin schon den niedrigsten Personalschlüssel landesweit
unter den Kommunen unserer Größenordnung. Es sollte aber auch
klar sein: Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb, und Dienstleistungen
werden
von Menschen erbracht, nicht von Maschinen. WIGGINGHAUS: Das Geld ist noch da.
Wir haben weder Jazz-Konzerte noch andere laufende Ausgaben damit finanziert.
Deshalb brauchen wir dieses Jahr keine neuen Kredite aufzunehmen und
haben
Anfang 2002 einen vorzeitig abgelöst. Und wir können, wenn
das politisch gewollt ist, uns weiter entschulden. WIGGINGHAUS: Für die Schulen
haben wir sehr wohl Geld. Gucken Sie nach Isselhorst: Da ist kein Schimmel
mehr in den Räumen. Diese Dinge sind wir sofort angegangen und können
das auch in Zukunft. Zudem wollen wir als ein großer Investor hier
vor Ort unsere Wirtschaft unterstützen und Aufträge vergeben.
Ich achte aber bei allen neuen Vorhaben sehr auf die Folgekosten. Was
das Theater und das Klinikum angeht, ist zu entscheiden, ob man für
die Anspar-Raten das Stadtwerkegeld einsetzt, schließlich schafft
man damit neue Werte ohne zusätzliche Folgekosten. Im übrigen
schaffen wir damit ein Angebot auch für Menschen im Kreis. WIGGINGHAUS: Gewiss, man streitet sich ja nicht nur. Außerdem ist es eine reizvolle Aufgabe, mit dafür zu sorgen, dass spätere Generationen Mittel zur Verfügung haben und ihre Zukunft gestalten können. Die Veröffentlichung erfolgte mit freundliche Genehmigung der NEUEN WESTFÄLISCHEN, Lokalredaktion Gütersloh. Vielen Dank. |