WARTEN AUF GODOT(Entscheidung um den Rathausvorplatz)Samuel Beckkett's "Warten auf Godot" erschien 1952 und wurde am 5. Januar 1953 in Paris uraufgeführt. Das Stück erzählt keine eigentliche Geschichte, sondern zeigt eine mehr oder weniger statische Situation auf. Es geschieht praktisch nichts. Nach über 51 Jahren wird der Bühnenklassiker nun auch in Gütersloh dargeboten. In freier Inszenierung, als Open-Air auf dem Rathausvorplatz. Eintritt frei für jedermann. Im Gegensatz zum Original dauert die Gütersloher Aufführung wesentlich länger und beinhaltet Passagen, die zwar nach außen hin Bewegung zeigen, doch hinter den Kulissen die bisherige Einstellung und Meinung nicht verändern. Stillstand und ablenkende Alibifunktion vom Eigentlichen für die Zuschauer. Bei den Befürwortern der Bebauung besteht eine starke Unsicherheit durch das ganze Stück hindurch, die zwei Landstreicher (in der Gütersloher Inszenierung Verwaltung und - vereint im Gleichschritt - CDU/SPD) warten auf Godot, obwohl sie gar nicht mehr genau wissen, ob sie tatsächlich mit ihm verabredetet sind. Obwohl Politik und Verwaltung sich anstrengen, sogenannte Informationsveran- staltungen durchzuführen, bleiben sie in Ihrer Meinung stur ihrer Linie treu. Sie hören nicht auf des Bürgers Stimme, auf den Wind, der Ihnen bei jeder Veranstaltung entgegen weht. Immer wieder predigen Sie die Vorteile, Nachteile gibt es für die beiden nicht. Wiederkehrende Motive sind auch die andauernde Ungewissheit in der Verabredung mit Godot, die Irrationalität dieser Person an sich und die sich steigernde Hoffnungslosigkeit. Die beiden Landstreicher führen einen unaufhörlichen Dialog mit dem Ziel sich abzulenken, Estragon: "Das tun wir, um nicht zu denken". Verwaltung und besonders die Politiker der beiden großen Parteien tun das anscheinend auch. Anstatt über vorgeschlagene und sogar existierende Alternativen nachzudenken, blättern sie in ihren Vorlagen und halten krampfhaft daran fest. Nur nicht nachdenken, sonst könnten sie ja erkennen, dass sie mit ihrer Meinung falsch liegen. "Warten auf Godot" ist ein Stück über die Zeit, über den Widerspruch zwischen Veränderung und Statik und über die Suche nach der Existenz des Menschen. "Warten auf die Entscheidung zum Rathausvorplatz" ist ein Stück, dass die Engstirnigkeit einiger Politiker und Verwaltungsmitarbeiter mehr als deutlich aufzeigt. "Nur ich darf entscheiden, der Bürger, der mich wählte, muss zuschauen". Die Existenz der Bürger ist nicht zu bestreiten, die Meinung weder zu verwässern noch zu ignorieren. Die Zeit wird es zeigen. Roland von Zahl 02. Februar 2004 Der Kommentar spiegelt nicht unbedingt die Meinung der BfGT wieder. |