MEIN HAUS, MEIN BOOT, MEIN PFERD, MEINE KASSE...

(Sparen oder Kasse machen?)

Es braust ein Ruf wie Donnerhall durch die Republik: Die Stadtväter von Stralsund wollen ihre alterwürdige Sparkasse verkaufen. Es wäre ein Präzedenzfall. Sollte ein Verkauf gelingen, geriete das Drei-Säulen-Modell von Sparkassen, Banken und Genossenschaftbanken in Deutschland ernsthaft ins Wanken. Daher hat sich an dem Vorhaben ein grundsätzlicher Streit in der Kreditbranche entzündet. Mitte 2005 läuft die Gewährträgerschaft der Kommunen für die Sparkassen aus. Zudem ist durch die im selben Jahr ebenfalls wegfallenden Staatsgarantien für die Sparkassen und Landesbanken Bewegung in die Sparkassenlandschaft gekommen. Und Bewegung hat noch niemandem geschadet.

In Gütersloh gibt es seit dem 16. Februar 1863 eine Sparkasse. Bereits 1861, also zwei Jahre zuvor, hatten die Stadtväter unter Bürgermeister Freiherr von Richthofen die Gründung einer Sparkasse beschlossen. Heute ist die Sparkasse Gütersloh das größte selbstständige Kreditinstitut im Kreis Gütersloh und stellt damit einen bedeutenden Faktor im Wirtschaftsleben der heimischen Region dar.

Mit ihrem öffentlichen Engagement unterstützt sie Sport- und Jugendprojekte und gibt der lokalen Kunst- und Kulturszene wichtige Impulse.

Als ich am Samstag die heimischen Zeitungen aufgeschlagen hatte, prangte es mir entgegen:

  • "Millionen für die Sparkasse"
  • "Verkauf unserer Sparkasse ist überhaupt kein Thema"
  • "BfGT-Fraktion bereitet Prüfantrag nach Stralsunder Vorbild vor"

Die möglichen Einnahmen könnten die Stadt schuldenfrei stellen, das Geld in Straßen, Schulen, Kindergärten, vielleicht sogar in einen Theaterneubau investiert werden.

Ob das allerdings so einfach ist, sei dahingestellt. In Stralsund jedenfalls richtet man sich auf ein langfristiges Verfahren ein. Die Stadt will, das Land nicht. Die Rechtssprechung ist klar und deutlich sagen die Gegner eines Verkaufes, es gibt trotzdem Möglichkeiten, sagen die Befürworter.

Will die BfGT hier in Gütersloh auf einen gerade anfahrenden bundesweiten Zug aufspringen? Von selbst wären sie bestimmt nicht auf die Idee gekommen. Verkehrt kann eine Anfrage an die Verwaltung auf keinen Fall sein. Es wird auf jeden Fall ein Ergebnis geben. Und das ist sorgfältig und in aller Ruhe zu prüfen. Es ist abzuwägen, was für unsere Stadt am besten sein wird. Es ist abzuwarten, wie die Rechtssprechung ausfallen wird. Und bis dahin wird die Sparkasse bestimmt noch viele Projekte in unserer Stadt unterstützt und gesponsort haben.

Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal sogar eine Gewinnausschüttung an die Träger, die den Politikern eine Entscheidung Pro oder Kontra eines Verkaufes erleichtern könnte.

Vielleicht, vielleicht... und bis dahin fließt noch viel Wasser die Dalke hinunter.

Roland von Zahl

15. Dezember 2003

Der Kommentar spiegelt nicht unbedingt die Meinung der BfGT wieder.