ABREISSEN, PLATT MACHEN(70er Gedanken im Kulturausschuss)Die zur Zeit im Fernsehen laufenden Erinnerungsshows der 60er und 70er Jahre bringen uns die Lebenskultur dieser bewegenden Epoche zurück ins Gedächtnis. Love and Peace, Studentendemos, Sit-In's und Happenings. Bei dem Grünenvertreter im Kulturausschuss scheinen diese Happenings einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Aufgrund des Verwaltungsberichtes zum technischen Zustand der Paul-Thöne-Halle schlug er vor, das gesamte Gebäude dem Erdboden gleichzumachen und daraus ein Kulturhappening zu veranstalten. Der FDP-Vertreter, ein sympathischer älterer Herr, dem z. B. die Abrisse des alten Standesamtes sowie des Rathauses und vieler anderer wunderschöner Gebäude in den siebziger Jahren auch ohne die RTL-Shows in bester Erinnerung sein dürften, schlug in die gleiche Kerbe. Abreißen, neu bauen. Beide sogenannten "sachkundigen Bürger" hatten sich übrigens vehement für den Theaterneubau eingesetzt. Etwas mehr nachdenken wollten jedoch die Politiker von SPD und CDU, die in "alte Zeiten" zurück blickten und den Charme der Halle hervorhoben. Mit den Beckmann-Plänen zum Umbau des Hauses konnten sich einzig und allein der BfGTVertreter anfreunden. Schade eigentlich, denn das historisch wertvolle Gebäude ist seit über 50 Jahren unzertrennlich mit der jüngeren Gütersloher Stadtgeschichte verbunden. Im Jahre 1868 wurde an dieser Stelle die Gütersloher Brauerei errichtet, die in den 20er Jahren schließen musste. Die Gütersloher Margarinewerke übernahmen ihre Räumlichkeiten. Die sehr gut erhaltenen Kellergewölbe sind ein Zeugnis dieser Vergangenheit. Das nach dem Krieg zu einem Theater umgebaute Gebäude ist typisch für die Aufbruchstimmung der damaligen Zeit. Durch die Errichtung eines Theaters wollten die Gütersloher den Krieg und die Traurigkeit des Alltags für ein paar Stunden in Vergessenheit geraten lassen. In 3½ Jahren Umbauzeit wurde ein Kulturzentrum, bestehend aus Kino und Theater, geschaffen, das die Gütersloher bis zur Schließung noch heute regelmäßig aufsuchten. Die Paul-Thöne-Halle erinnert nicht nur an den damaligen Bürgermeister und späteren Stadtdirektor, sondern ist auch als Denkmal für den Willen und die Kraft der Gütersloher Bevölkerung in den kargen Nachkriegsjahren einzuordnen. Bei der Theaterpremiere am 26. November 1949 wurde das Trauerspiel „Clavigo“ von Johann Wolfgang von Goethe aufgeführt. Da die PAUL-THÖNE-HALLE zweifelsohne zu den erhaltungswürdigen Gebäuden unserer Stadt gehört, wäre es ein Trauerspiel, wenn dieses Traditionsgebäude, dass im Laufe von mehr als 50 Jahren den Güterslohern ans Herz gewachsen ist, den Abrissbaggern zum Opfer fiele. Der Kahlschlag an historischen Gebäuden wie in 60er und 70er Jahren geschehen, darf und sollte sich nicht wiederholen. Zur Einweihung sagte der damalige Bürgermeister Paul Thöne: "Möge das Haus Generationen überdauern". Ich kann ihm da nur zustimmen. Roland von Zahl 01. Dezember 2003 Der Kommentar spiegelt nicht unbedingt die Meinung der BfGT wieder. |