KOMMENTAR DER WOCHE

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(Sponsoren gesucht)

Heute um 11.11 Uhr beginnt die 5. Jahreszeit und den Narren ist bis zum Aschermittwoch Tür und Tor geöffnet. Aber doch nicht in Gütersloh, oder?? Manchmal schon -

In Zeiten knapper Kassen werden auch die Karnevalsumzüge und Prunksitzungen gesponsort und da unserer Kämmerer auch auf diesen Sitzungen gerne Alaaf und Helau ruft, dürfte er sich im Sponsoring bestens auskennen, zumal er in den Glanzzeiten des ruhmreichen FC Gütersloh doch im Aufsichtsrat den optimalen Einblick in die Geldbeschaffung bekommen haben dürfte. Zuerst möchte ich jedoch den Begriff SPONSOR erklären. Sponsor kommt aus dem griechischen und steht für "jemanden, der eine Sache finanziell ermöglicht oder fördert - Geldgeber" 

Was hat das nun alles mit dem Gütersloher Stadtrat zu tun? Eine ganze Menge, denn der Kämmerer finanzierte eine Beteiligung der Stadt am Projekt E-Government aus den Sondereinnahmen des anteiligen Stadtwerkeverkaufes. Nicht ganz unerheblich der Betrag, der dafür ausgegeben wurde: 65.000 €! Die Verwaltung ist zwar anderer Meinung, denn sie gab diese Summe als "nicht erhebliche überplan- und außerplanmäßige Ausgabe" bekannt. Da fragt man sich, wo denn eigentlich die Beurteilungsgrenze verläuft, denn für 65.000 € muss eine alte Frau ganz schön lange stricken oder ein normal verdienender Arbeiter oder Angestellter auch bestimmt wesentlich länger als ein Jahr arbeiten. Nicht ganz unerheblich, oder?? Zurück jedoch zum Sponsoring. So jedenfalls argumentierte der städtische Geldverwalter und sah die vertraglich vereinbarte Zusatzzahlung für Projekte im Bereich E-Commerce / E-Business als weitere Einnahmequelle, die die städtischen Finanzen aufbessern könnte. Auch nicht ganz unerheblich, oder??

Auf jeden Fall hat der Kämmerer rechtens gehandelt und die Aufregung der Ratsvertreter war fehl am Platz. Ob seine Sichtweise jedoch die Richtige ist, mag zu bezweifeln sein, obwohl vertraglich nicht festgelegt wurde, wen denn nun die Stadtwerke Bielefeld mit ihrer zusätzlichen Geldgabe fördern wollten. Sponsoren engagieren sich im Allgemeinen in den Bereichen Kultur und Sport, aber im Bereich Stadtverwaltung / kommunale Aufgaben und Tätigkeiten ist dies weniger (falls überhaupt) bekannt. Vielleicht wollte das innovative Bielefelder Unternehmen aber auch ein Signal an die Kommunen Ostwestfalens senden und sich demnächst in weitere Projekte einkaufen. Eigentlich nicht schlecht der Ansatz, denn Sponsoren können gerade in Zeiten knapper Kassen die Haushaltskasse entlasten. 

Beim Theater z.B. - eigentlich ist es doch egal ob, ob der Besucher in das Helmut-Lütkemeyer-Kulturhaus oder das Eckhard-Heitlage-Theater geht, auf das Programm kommt es schließlich an.  Sporthallen oder Fußballstadien (in Gütersloh natürlich Plätze). In Hamburg die AOL-Arena, in München das Allianz-Stadion und in Gütersloh das Marktkauf-Stadion am Heidewald und die Spexarder-Krug-Sporthalle am Heimathaus. Die Namensrechte an Rats- und Ausschusssitzungen könnten gegen Gebühr an interessierte Sponsoren vergeben werden: die Sparkasse Gütersloh präsentiert den Finanzausschuss (der Vorsitzende ist ja auch der Werbeleiter der Sparkasse), die Deutsche Bank den Rechnungsprüfungsausschuss, die Disco Max natürlich den Jugendhilfeausschuss und das Seniorenzentrum Dr. Murken den Seniorenbeirat. Ratssitzungen sind natürlich zu einem höheren Kurs zu vergeben und dies wiederum kann sich nur ein überregionales Unternehmen leisten. Auch ALDI bietet Qualität zu sparsamen Preisen und da auch der Rat auf Sparsamkeit bedacht ist, bestände doch bereits hier eine Symbiose, die beide Partner zusammenführen könnte. Die Beispielliste könnte jetzt unendlich fortgeführt werden - die Hauptsache der Sponsor zahlt. Aber will er dann nicht auch mitbestimmen und Einfluss nehmen? Vorsicht ist also angesagt und aufgepasst, Herr Dr. Wigginghaus bei der Auswahl der zukünftigen Werbepartner. Und nicht vergessen: es gibt auch Aussch(l)ussklausen. 

Roland von Zahl

11. November 2002

Der Kommentar spiegelt nicht unbedingt die Meinung der BfGTwieder.