KOMMENTAR DER WOCHE
Scheinheiligkeit
(Drei, die auszogen, anderen das Fürchten
zu lernen)
Eigentlich sollten die im Rat vertretenen
Parteien und Gruppierungen die Interessen ihrer Wählerinnen und Wähler
vertreten. Zumindestens sind sie mit diesem Versprechen bei der Kommunalwahl
angetreten. Den einen gelingt es mehr oder weniger, den anderen dafür
etwas besser, doch eine Gruppierung schießt einfach nur quer und verliert
von Sitzung zu Sitzung an Glaubwürdigkeit. Die Rede ist hier von den
Mitgliedern der angeblich UNABHÄNGIGEN Wähler Gemeinschaft – kurz UWG.
Immer wieder lautstark vorgetragene
Attacken gegen die Bürgermeisterin und den Kämmerer. Immer wieder Konfrontation
anstatt konstruktives Miteinander. Den Gipfel der Unglaubwürdigkeit erreichte
diese Fraktion in der Finanzausschusssitzung vom 11.06. sowie in der
Ratssitzung vom 21.06. 2002. Aber zuerst die Vorgeschichte:
2 Tage vor den Kommunalwalen 1999
ließ die UWG groß in den Medien verbreiteten, dass Herr Gerd Weissenberg
(Tanzschule Stüwe-Weissenberg) zusammen mit dem UWG-Sponsor Herrn Diekmannhenke
endlich die langersehnte Disco baut und somit der Jugend dieser Stadt
ihren langgehegten Wunsch erfüllt. Einzig und allein der unendlichen
Initiative der sich für das Wohl der Jugend einsetzenden UWG ist es zu
verdanken, dass der Traum aller Gütersloher Jugendlichen 2 Tage vor den
Wahlen Wirklichkeit wird. Dafür sollten die Jungwähler dieser Gruppierung
unendlich dankbar sein und sie am Wahltag wählen. Nicht wenige sind den
Tönen der „Rattenfänger“ gefolgt und glaubten treu und brav, was Ihnen
so alles vorgegaukelt wurde. Aus der Disco wurde nichts, den beiden Initiatoren
wurde als Dank für die Unterstützungskampagne Mitgliedschaft in den Ausschüssen
versprochen und der Immobilienmakler Diekmannshenke war sogar für den
Grundstücksausschuss und als Ratsherr-Nachfolger für Herrn Kalley vorgesehen.
Inzwischen ist Herrn Diekmannshenke das Geld ausgegangen und auch für
die UWG tritt er im Rathaus nicht mehr auf. Ist schon irgendwie merkwürdig.
Erst recht merkwürdig ist, dass sich
eine Gruppierung, die sich angeblich für Jugendliche einsetzt und u.a.
erzählt, dass sie zum Wohle der Gemeinschaft tätig ist, das Votum der
Jugendlichen mit Füssen tritt. Obwohl die Vertreterin der UWG im Jugendhilfeausschuss
dem Gemeinschaftsantrag zur kritischen Überprüfung der Kürzungen zustimmte,
ignorierte der Vertreter dieser Fraktion das Votum im Finanzausschuss: „Der
Jugendhilfeausschuss hätte kein Recht uns Vorschreibungen zu machen bzw.
Anträge zu stellen“. Noch nicht einmal eine Erörterung kam für ihn in
Frage. Der Antrag des Jugendhilfeausschusses unterstützt vom Jugendparlament
war für ihn null und nichtig. Höhepunkt der Unglaubwürdigkeit der UWG
war die Verabschiedung des Nachtragshaushaltes im Rat. Die populistischen Äußerungen,
die Zuschüsse für die Fraktionen zu reduzieren, entbehrten jeder Grundlage
und wurden nicht nur von der CDU aufs Schärfste zurückgewiesen. Der Angriff
gegen die SPD betreffs des Gleichstellungskonzeptes wurde zur Lachnummer. Wenn
der Fraktionsvorsitzende zudem noch lautstark tönt, die Kürzungen im
Jugend- und Sozialbereich nicht mittragen zu wollen und dem Antrag der
BfGT in Bezug auf Rücknahme der Kürzungen nicht zustimmt, ist das so
etwas von Widersprüchlich, dass man tatsächlich von Unglaubwürdigkeit
sprechen muss. Wer den Jugendlichen zusagt, dass sie an Entscheidungen
auch in der Gütersloher Kommunalpolitik mitwirken sollen, dürfen und
müssen, darf so mit ihnen nicht umgehen!
Die Drei, die angetreten sind, „die
Arroganz der Macht zu brechen“ und die Anderen „das Fürchten lernen wollten“ müssten
sich durch Ihr Auftreten in den Gremien langsam vor sich selbst fürchten.
Ein Wahlprogramm konnte die UWG nicht vorlegen. Warum, wird von Sitzung
zu Sitzung immer bewusster. Mit Scheinheiligkeit und Worthülsen werden
diejenigen vor den Kopf gestoßen, die auf „Transparente und nachvollziehbare
Entscheidungen“* gesetzt hatten, die an die „Mitwirkung aller Bürger
auch ohne Parteizugehörigkeit“* geglaubt hatten und die zudem der Meinung
waren, das „Bürgerwille und Bürgerinformation statt Parteiinteressen“*
bei der UWG ganz oben an stehen.
Wer den Bürgerauftrag in dieser Art
und Weise umsetzt, disqualifiziert sich selbst. Der Fraktionsvorsitzende
Herr Dr. Büscher hat nicht erst in der Ratssitzung vom 21.06.2002 den
ersten Schritt dazu getan.
Roland von Zahl
22. Juni 2002
*=Auszug aus einem Wahlprospekt der
UWG anlässlich des Kommunalwahlkampfes 1999.
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