Kommentar der Woche
Jetzt geht's los
(3 SMS-Nachrichten oder Jugendfreizeit)
Es braust ein Ruf wie Donnerhall durch unsere Stadt
und überall hört man: "Sparen, Streichen, Kürzen,
Reduzieren" und was sonst noch alles damit in Verbindung zu bringen
ist. Besonders die freien Träger sowie die Jugendverbände machen
Front gegen die Etatbeschneidungen. Die Debatte im Jugendhilfeausschuss
war erst der Anfang, denn auch Sportvereine, Schulen und soziale Einrichtungen
sind von der Finanzkrise betroffen.
Normalerweise wird die Verabschiedung eines Haushaltes
in den jeweils zuständigen Fachausschüssen erörtert, beschlossen
und dann letztendlich im Rat verabschiedet. Bei der 2. Gütersloher
Finanzkrise innerhalb von nur 3 Monaten hat es den Anschein, dass die
Verwaltung die Beratungen in den Ausschüssen geschickt umgangen
hat, denn bis auf den Planungsausschuss tagen alle anderen Ausschüsse
erst in den Tagen nach der entscheidenden Ratssitzung am 21. Juni. Wenn
der Jugendhilfeausschuss nicht vorverlegt worden wäre, wären
die starken Bedenken besonders der freien Träger und der evangelischen
Kirchengemeinde höchstwahrscheinlich ins Leere gegangen. Zwar kündigten
bereits die GRÜNEN und die BfGT an,
die Kürzungen nicht mitzutragen, doch eine Mehrheit in den politischen
Gremien ist immerhin noch abhängig vom Stimmverhalten der SPD und
CDU. Und gerade die größte Fraktion kündigte bereits
an, dem Nachtragshaushalt zuzustimmen und somit die Kürzungen zu
akzeptieren. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass sich die Vertreter
der CDU im Jugendhilfeausschuss an der über 2stündigen Diskussion
kaum beteiligten. Warten wir ab, wie sich die SOZIALdemokratische Partei
verhalten wird, die sich ebenfalls sehr zurückhielt.
Der Kämmerer kündigte zwar an, dass es möglich
wäre in den Geschäftsbereichsausschüssen, von den Vorschlägen
der Verwaltung abweichende Budgets im Weg der Nachbewilligung zu beschließen,
doch wenn die Politik im Rat bereits entschieden hat, werden die selben
Mandatsträger in den Fachausschüssen bestimmt nicht anders
entscheiden.
Es lässt sich natürlich darüber streiten, inwieweit die
Kürzungen sozialverträglich ausfallen und welche Gruppen im
Endeffekt darunter zu leiden haben. Das beliebteste Beispiel dieser Tage
jedoch waren die Jugendfreizeiten, bei denen der Zuschuss von 4,60 € auf
4 € pro Tag und Person gekürzt werden soll. 60 Cent entsprechen
ca. 3 SMS-Nachrichten, die Jugendliche und Kinder pro Tag weniger verschicken
müssten, um die Streichungen aus eigenen Mitteln aufzufangen. Möglich
wäre das schon, doch nicht jeder hat ein Handy.
Es wird bestimmt nicht der letzte Kommentar zum Thema
Nachtragshaushalt sein.
Roland von Zahl
07. Juni 2002
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