Kommentar der Woche
(Hin und Her) Schiebereien
(Ein Kämmerer, der lieber Schneider werden wollte)
Die Einen bezeichneten es als Meisterwerk der Rechenschieberkunst,
die Anderen sprachen gar von Zauberei - das aktuelle Rechenwerk des Kämmerers
Dr. Wigginghaus: der Nachtragshaushalt 2002.
Bisher kannten wir in Gütersloh nur den legendären
Magier Brunetti. Gibt es daneben etwa jemanden, dessen wahre Eigenschaften
wir bisher nie erkannt haben? Copperfield, Siegfried & Roy - demnächst
sind ihre Namen nur noch Schall und Rauch, denn ein neuer Stern wird
aufgehen und der gefragte Star in den europäischen Kommunen werden.
Vorhang auf für den großen WIGGINGHAUS.
Er hätte auch den Zauberwürfel erfinden können, der uns
unendliche Lösungsmöglichkeiten bietet.
Oder wollte er in seinem früheren Leben doch "nur" ein
tapferer Schneider werden, da er es wie kaum ein anderer versteht, Löcher
selbst größten Ausmaßes zu stopfen.
Bereits zu Anfang des Jahres stopfte er fleißig,
rechnete kräftig und verschob von links nach rechts, durch die Mitte
von oben nach unten - bis unter dem Strich alles irgendwie gleich aussah.
Dieses war der erste Streich, doch der Zweite folgt zugleich. Und wieder
rechnete der Kämmerer und erzählte, das die Millionen aus dem
Stadtwerkeverkauf weiterhin unangetastet blieben. Aber trotz der Unantastbarkeit
gelang es dem Magier der Zahlen, aus eben diesem Erlös die vorher
noch geleerte Mindestrücklage wieder aufzufüllen. "Welch
ein Wunderwerk" wird sich so mancher Stadtdirektor und Landrat fragen
und selbst der Kanzler müsste auf den Helden in der ostwestfälischen
Kleinstadt aufmerksam werden, denn auch der Bund befindet sich in keiner
allzu guten Finanzsituation und "neue Männer braucht das Land" nicht
erst seit den letzten Bundestagswahlen. Aber was würde dann aus
unserem geliebten Gütersloh werden, denn bei Wilhelm Busch steht
schließlich geschrieben: "...doch der Dritte folgt zugleich".
Weitere Rückforderungen an Gewerbesteuervorauszahlungen wollte der
Kämmerer nicht ausschließen und noch sind längst nicht
alle Bilanzen erstellt worden.
Hier wurde gestrichen, dort gespart, Einsparpotentiale entdeckt und sonst
nicht Mögliches auf einmal doch Möglich gemacht.
In seiner Rede zur Einbringung des Nachtragshaushaltes
sagt Herr Dr. Wigginghaus wörtlich: "Leitziel dieser Maßnahmen
war es, weitere, Belastungen für den Bürger zu vermeiden und
Belastungen unseres Vermögens zugunsten laufender Ausgaben zu vermeiden.
Dies ist gelungen."
Wer sich den Nachtragshaushalt 2002 genauer ansieht
und wer sich zudem die Mühe macht, die Kürzungen bei Vereinen
und Institutionen unter die Lupe zu nehmen, wird jedoch zwangsläufig
bestimmt zu einer anderen Beurteilung kommen.
Auf keinen Fall darf der Bürger vergessen, das
diese Einschnitte nur der Anfang sind und die große Streichrunde
noch auf uns alle wartet.
Roland von Zahl
01. Juni 2002
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