An dieser Stelle veröffentlichen wir wöchentlich
einen Kommentar zu aktuellen Themen in unserer Stadt. Den Kommentar
kann und darf jeder schreiben. Eingereicht werden muss er jedoch
jeweils bis Freitags 16.00 Uhr. Das für die Homepage verantwortliche
Team sucht den interessantesten Beitrag aus und pflegt ihn ein. Der
Verfasser wird über die Einpflegung benachrichtigt.
Parteipolitische Kriterien spielen bei der Einpflegung zwar keine
Rolle doch sollte sich der Inhalt mit allgemeinen Themen befassen,
die in unserer Stadt erörtert und diskutiert werden.
WAR JESUS EIN ZIMMERMANN?
(Die Woche der Entscheidung)
Nach Ostern sei uns diese Frage erlaubt und die Antwort ist nach
den neuesten Erkenntnissen eindeutig mit NEIN zu beantworten. Warum?
Jesus war barmherzig, schätzte seine Nachbarn und verstand sich
prächtig mit ihnen. Jesus praktizierte Nächstenliebe, hörte
auf Vorschläge und folgte sogar den Ratschlägen Anderer.
All diese Eigenschaften sind von der Fa. ZIMMERMANN leider nicht
zu erwarten, geschweige denn im Geringsten zu erhoffen. Schade, denn
gerade in unserer heutigen Zeit sollte man wieder verstärkt
aufeinander zugehen, den Dialog führen, um gemeinsam für
sich und die Anderen das Beste zu erreichen. Doch leider sind die
Menschen heutzutage egoistischer geworden und meistens zählt
nur der Wille, für sich selbst allein das Beste zu wollen.
Die erste Woche nach den Osterferien stand ganz im Zeichen der Diskussionen
um die geplante Zimmermann-Konditionierungsanlage und der Autor knüpft
hier bewusst an den vorösterlichen Kommentar an: die Sondersitzung
von Umwelt- und Planungsausschuss zu Wochenbeginn. Warum wurde diese
Sitzung überhaupt einberufen, wenn die CDU gleich zu Beginn
einen Vertagungsantrag stellte und erst nach dem Erörterungstermin über
das Gemeindliche Einvernehmen entscheiden möchte. War es doch
nur eine Alibiveranstaltung für die Galerie? Dass die Politiker
noch in der Umweltausschusssitzung vom 18.02. der Stadt Gütersloh
bei ihrer Stellungnahme einstimmig (!!) den Rücken stärkten,
scheint bei den Abgeordneten unter black out' einzuordnen zu
sein. Eine Entscheidung, auf die die Bürgerinnen und Bürger
gewartet hatten, ist leider nicht erfolgt! Anträge wurden gestellt
und angenommen (SPD - Gutachten und GRÜNE - Änderung des
Bebauungsplanes), aber aus absolut unverständlichen Gründen
von CDU, UWG und FDP auch abgelehnt (BfGT -
ebenfalls Änderung des Bebauungsplanes). Die Frage, warum die
seit Jahren im Rat vertretenen Fraktionen, mit deren Stimmen der
Bebauungsplan letztendlich aufgestellt wurde, nicht schon bei der
Einreichung des Antrages im Sommer 1999 reagiert haben, dürfte
wohl für immer unbeantwortet bleiben. Fehler schiebt man gerne
den Anderen zu, eingestehen will sie jedoch kaum jemand. Wenn ein
Politiker einer der beiden grossen Fraktionen zu einem Anwohner sagt,
dass er das vor einigen Jahren die Situation anders beurteilt hat,
weil er von der Verwaltung nicht ausreichend informiert wurde, ist
das das beste Beispiel dafür. Gerade die grossen Fraktionen
sowie die GRÜNEN hätten Möglichkeiten genug gehabt,
sich durch Fachleute und Parteifreunde in den Ministerien ausreichend
zu informieren.
Hier müssen erst Umweltverbände wie die GNU und DAS BESSERE
MÜLLKONZEPT die Bürger wachrütteln, um Schlimmeres
zu verhindern. Fast 35 Stunden lang wurden im Erörterungstermin
vom 10. bis 12. April Fragen und Gegenfragen gestellt und beantwortet,
Anträge eingereicht und Einwendungen begründet. In sachlich
nüchterner und fairer Art und Weise ist man miteinander umgegangen,
um Pro und Kontra abzuwägen. Es war beeindruckend, wie sich
die grosse Mehrzahl der Einwender ohne Fachausdrücke und mit
einfachen und ehrlichen Wortbeiträgen gegen den Antrag des Zimmermann-Imperiums
zur Wehr setzte. Unterstützt vom Umweltreferent des evangelischen
Kirchenkreises als Beistand auf der einen und indirekt durch die
Anwälte der Fa. Gehring-Bunte auf der anderen Seite. Es war
ebenfalls beeindruckend, wie ganze Familiengenerationen im Saal vertreten
waren und sich aus Angst vor der Zukunft auf das Parkett der Auseinandersetzung
wagten. Es war beeindruckend wie Mütter und Väter mit ihren
Kindern Stunde für Stunde ausharrten, um die Mitstreiter nicht
allein zu lassen und ihre Einwendung vorzubringen.
Die Erörterung hat gezeigt, dass Bürgerinnen und Bürger
auch heute noch bereit sind, sich für eine Sache zu engagieren,
für eine Sache zu kämpfen und sich keineswegs mit Verwaltungsbeschlüssen
und erst Recht nicht mit politischen Entscheidungen abfinden. Man
kann es nicht oft genug betonen:
Hier geht es um das Wohl und die Gesundheit der Menschen, die unmittelbar
die Folgen der geplanten Konditionierungsanlage für anorganische
Abfälle auf sich nehmen müssten. Sorgen, Ängste und
Nöte der Anwohner in Bezug auf Gesundheit und Leben sind über
rechtlich fundierte Entscheidungen und Beschlüsse zu stellen.
Dafür lohnt es sich zu kämpfen, dafür lohnt es sich,
drei Tage lang von morgens bis abends dem Erörterungstermin
beizuwohnen. Kompliment und Hochachtung an alle, die dazu beitragen
möchten, die Pläne der Fa. Zimmermann zu verhindern.
Jetzt geht es an die Aufarbeitung des Termins - hoffen wir, dass
die Entscheidung der Bezirksregierung Detmold den Bürgerwillen
akzeptiert, hoffen wir, dass die Gütersloher Politiker sich
gegen das gemeindliche Einvernehmen aussprechen, um ein Zeichen zu
setzen und somit das Signal zum Aufbruch in eine bessere Zukunft
geben.
Roland von Zahl
13. April 2002