|
Wortbeitrag / Stellungnahme der BfGT: NW-FORUM - PAUL-THÖNE-HALLE - Do 06.03.2003 "Es gilt, den Wirtschaftsstandort für Stadt und Kreis Gütersloh mit über 350.000 Bürgerinnen und Bürgern langfristig zu sichern und noch zu verbessern. Dazu gehören ein breitgefächertes Schulsystem, Kindergärten, Einrichtungen für Sport, Freizeit und Erholung, intakte Verkehrsanlagen usw. und selbstverständlich ein umfangreiches kulturelles Angebot, auch für jede Weiterbildung - sowie ein modernes, vielseitig nutzbares Theaterhaus." Viele von Ihnen dürften diese Aussage kennen - er stammt aus einem Rundbrief des Theaterfördervereins. Zwar wurde einiges nicht aufgeführt, wie z. B. das Städt. Klinikum oder die Stadtbibliothek, doch stimmen wir dieser Auffassung trotzdem vorbehaltlos zu ! Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang jedoch stellt: Wer soll und vor allem wer kann das alles bezahlen ? Die NW stellt heute eine weitere Frage: Kann sich Gütersloh ein neues Theater leisten ? Unsere Antwort: Eine renovierte und umgebaute Paul-Thöne-Halle als Spielstätte in Verbindung mit der Stadthalle JA ! Einen Theaterneubau: NEIN ! Die drastischen Kürzungen und Streichungen in allen Bereichen, die Erhöhungen bei Abgaben und Gebühren, die Diskussion um Leistungseinschränkungen bei der Stadtbibliothek, der teilweise schlechte bauliche Zustand in Schulen, holprige und nicht ausgebesserte Straßen, die Angebotsminderung der Weberei, Stadtpass, die mögliche Erhöhung der Gewerbesteuer... Der Schuldenstand der Stadt (104 Mio € ! / Zinszahlungen von ca. 5,5 Mio € per 31.12.2002 / weitere Kredite in Höhe von 9,6 Mio € sollen in 2003 aufgenommen werden), die Wirtschaftssituation und zuletzt der nicht gerade positive Ausblick auf die kommenden Jahre. Mehr Argumente gegen einen Theaterneubau kann es zur Zeit kaum noch geben. Doch, da gibt es noch ein Argument, und zwar ein ganz Entscheidendes: die Aussagen des Kämmerers zu den Finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen: "Diese Projektion ist mit erheblichen Risiken behaftet" (10.01.2001). "Die gegenwärtige finanzwirtschaftliche Situation lässt eine Erwirtschaftung der Ansparraten auf der Grundlage des bisher verfolgten Finanzie-rungsmodells nicht mehr zu. Zur Begrenzung der Verschuldung muss ggf. auf die Rücklage zurückgegriffen oder auf die Realisierung von In-vestitionsvorhaben verzichtet werden." (22.02.2002) Und folgendes wird er uns in der kommenden Sitzung des Finanzausschusses am 11.03.2003 mitteilen: Die in der Finanzausschusssitzung am 11.2.2003 vorgestellte Finanzierungslücke des Haushaltes 2003 lässt sich aus derzeitiger Sicht nur in der Weise ausgleichen, dass zusätzliche Zuführungen aus dem Vermögenshaushalt in den Verwaltungshaushalt vorgenommen werden. Gegenwärtig kann eine zwingend notwendige Erhöhung des Hebesatzes der Gewerbesteuer nicht ausgeschlossen werden (z.B. fiktiver Hebesatz von 403%) ! Hiermit wäre zwar ein Haushaltsausgleich erreichbar, strukturell ist der Haushalt 2003 damit aber nicht ausgeglichen, dass heißt, das die laufenden Einnahmen, die laufenden Kosten definitiv nicht decken können ! Zur Erinnerung: Der Haushalt 2002 wird mit einem Minus von ca. 1,7 Mio € abgeschlossen. Das Defizit ist spätestens 2004 aus den Mitteln der laufenden Haushalte auszugleichen. U. a. entsteht aufgrund niedrigerer Gewerbesteuer ein neues Haushaltsloch in Höhe von ca. 4 Mio €. Sollte die Gewerbesteuer nicht erhöht werden (355 auf 395%), sind weitere 3 Mio € auszugleichen. Der Wunsch nach einem Theaterneubau in dieser Stadt ist alt und kann bis in 50er Jahre zurückverfolgt werden. Wohlgemerkt, es ist ein Wunsch, eine Vision derjenigen, die sich Kultur gerne in großen und modernen Räumlichkeiten vorstellen. Kultur kann jedoch überall stattfinden und benötigt an für sich keinen eigenen Palast. Die Argumente der Neubaubefürworter sind alt. So alt wie ihr Wunschgedanke. Die Argumente derjenigen, die einen Neubau zur Zeit, wohlgemerkt zur Zeit, ablehnen, sind jedoch aktuell, brandaktuell. Wir sollten also gemeinsam umdenken und in eine realistische Zukunft schauen. Deshalb: JA zum Theater und JA zur einer Renovierung und einem Umbau zu einer funktionsfähigen und besucherfreundlichen Spielstätte in Verbindung mit den Möglichkeiten unserer Stadthalle. Ein gut ausgewogenes Kulturangebot ist wichtig für unsere Stadt. Dazu gehören die Programme der Initiativen und Vereine genauso wie das Angebot des städt. Kulturamtes. Wir können auf der einen Seite - wie im Kulturausschuss geschehen - die Mittel und Zuschüsse nicht drastisch kürzen, und auf der anderen Seite von der Wichtigkeit des kulturellen Angebotes für den Wirtschaftsstandort Gütersloh sprechen. Umdenken müssen wir auch bei der Gestaltung des Kulturprogramms unserer Stadt. Wir sollten ein neues Kulturprofil entwickeln, dass von allen bzw. von der Mehrheit getragen wird, und nicht nur für diejenigen konzipiert wird, die es selber machen ! Wenn es tatsächlich die jetzt von Herrn Wimmer immer wieder gern zitierten 12.800 Kulturbegeisterten gibt (lt. statistischer Erhebung eines Münchener Institutes), ist es unsere Aufgabe, ihnen ein Programm zu präsentieren, das auch angenommen wird. Wir sollten uns bei der Angebotsplanung nach den vor Ort bestehenden und realistisch umsetzbaren Möglichkeiten richten und nicht die Programmplanung so gestalten, dass wir ein neues Theater in großen Dimensionen bauen müssen, um diese Produktionen überhaupt präsentieren zu können ! Eine umgestaltete funktionsfähige und besucherfreundliche Paul-Thöne-Halle als Spielstätte würde unter Einbeziehung der Stadthalle diese Zwecke voll und ganz erfüllen. Es kommt nicht auf die Verpackung, sondern auf den Inhalt an ! Für die Kulturfreunde, die dann immer noch qualitativ und auch quantitativ größere Aufführungen erleben möchten, können Theaterbusse eingesetzt werden, um sie nach Bochum, Dortmund oder auch Hannover zu bringen. Für die Fahrt ins nahe Bielefeld dürfte jeder Interessent sein eigenes Fahrzeug benutzen können. Zum Schluss: Die Bürgerschaft ist verunsichert - Meldete die Verwaltung noch vor wenigen Tagen "kurzfristig", soll jetzt der "Vorhang" angeblich zum Saisonende fallen. Gemeindeunfallversicherungsverband und TÜV waren vor Ort. Nach der Ersteinschätzung aller drei eingeschalteten Gutachter ist eine sofortige Schließung des Theaters nicht erforderlich. Die Ergebnisse der Überprüfungen und deren Beurteilung werden bis Ende März vorliegen. Für die Schließung des Theaters - in Kürze oder zum Saisonende - gibt es weder einen Beschluss noch eine Verfügung durch den GUVV oder TÜV. Die Aussage "spätestens mit Beendigung der laufenden Spielzeit ist vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine Anpassung an die neue VStättV0 zwingend notwendig" besagt, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen. Welche es jedoch sind, steht erst Ende März fest. Die Sicherheit der Besucher ist vorrangiges Ziel und zweifelsohne wichtig ! Die Sachverständigen werden uns mit fachlichem Rat diesen Weg aufzeigen. Obwohl das Ergebnis der Begehung erst Ende des Monats vorliegen soll
und "vorhandene Mängel durch andere Maßnahmen oder organisatorische
Vorkehrungen kompensiert werden könnten" behauptet die Verwaltung, "dass
es sich nicht mehr lohne, Geld in das marode Gebäude zu investieren. Wir müssen den Bürgern aufzeigen, was machbar ist - Alternativen präsentieren und sie nicht mit Meldungen erschrecken, die kurze Zeit später revidiert werden müssen. Wenn es denjenigen, die sich für einen Theaterneubau einsetzen, wirklich um den Fortbestand des Gütersloher Kulturlebens geht, können sie sich aufgrund der Finanzlage einer Mitarbeit bei der Umgestaltung der Paul-Thöne-Halle nicht entziehen. Wenn es denjenigen, die für einen Theaterneubau spenden möchten, ohne Wenn und Aber ebenfalls nur um die Kultur geht, werden sie auch für den Umbau spenden. Ohne Fremdmittel und Zuwendungen Dritter wird auch diese Möglichkeiten ansonsten nur ein Traum bleiben. Helfen Sie mit und vor allem machen Sie mit. Es geht um unsere Stadt, unsere Zukunft und um unsere Kultur. BfGT Bürger für Gütersloh e. V. BfGTPRESSEERKLÄRUNG vom 05.03.2003: Gezielte Desinformation zum Thema Theaterschließung Im Rahmen der Diskussion um den Theaterneubau kritisiert die BfGT die gezielte Desinformation der Gütersloher Bürgerschaft. Durch immer neue Meldungen der Verwaltung wird die Bevölkerung verunsichert. Hieß es noch vor wenigen Tagen "kurzfristig", soll jetzt der "Vorhang" zum Saisonende fallen. Auf Anfrage von BÜNDNIS 90 / GRÜNE und BfGT im Rat der Stadt teilte die Verwaltung folgendes mit: Eine erste Begehung des Gebäudes und die Besichtigung der technischen Einrichtung und Anlagen erfolgte Anfang dieses Monats. Nach der Ersteinschätzung aller drei eingeschalteten Gutachter ist eine sofortige Schließung des Theaters nicht erforderlich. Die Ergebnisse der Überprüfungen und deren Beurteilung werden bis Ende März vorliegen. Obwohl das Ergebnis der Begehung erst Ende des Monats vorliegen soll
und "vorhandene Mängel durch andere Maßnahmen oder organisatorische
Vorkehrungen kompensiert werden könnten" behauptet die Verwaltung, "dass
es sich nicht mehr lohne, Geld in das marode Gebäude zu investieren." Der Renovierungsvorschlag des Hochbauamtes kam erst auf Antrag der BfGT wieder ans Tageslicht und wurde noch vor wenigen Tagen als "Gutachten" bezeichnet, dass eine Renovierung ausschließen würde ! Auch diese Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. Die umfangreichen Untersuchungen, zu denen auch etliche fachliche Beratungen eingeholt wurden, haben jedoch zu einem anderen Ergebnis geführt. Das Theater ist renovierungsfähig und im Sinne einer funktionsfähigen und besucherfreundlichen Nutzung umzubauen ! Die Kosten beliefen sich seinerzeit auf ca. 4 Mio DM ( ! ). Die BfGT wird die Anregungen aufgreifen, entsprechende Vorschläge ausarbeiten und der Öffentlichkeit vorstellen. Für die Schließung des Theaters - in Kürze oder zum Saisonende - gibt es weder einen Beschluss noch eine Verfügung durch GUVV oder TÜV. Die Aussage "spätestens mit Beendigung der laufenden Spielzeit ist vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine Anpassung an die neue VStättV0 zwingend notwendig" besagt, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen. Welche es jedoch sind, steht erst Ende März fest. Bevor dieses Ergebnis nicht vorliegt, ist es unverantwortlich die Bürger mit panikmachenden Behauptungen von Schließungen und Verweise auf "Vorkriegsniveau" weiter zu verunsichern. Bevor einem Theaterneubau der Vorzug gegenüber einer umfassenden und auch möglichen Renovierung eingeräumt wird, ist es dringend erforderlich, sämtliche Möglichkeiten auszuloten und zu überprüfen, ob durch eine Renovierung nicht ebenfalls das gewünschte Ergebnis der verbesserten Funktionsfähigkeit und besucherfreundlichen Nutzung erreicht werden kann.
|