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Stellungnahme / Erklärung Maria Ungers zu den Theaterneubauplänen in der Einwohnerversammlung am 17.06.: Bürgermeisterin: Ja zum Theaternebau Als Bürgermeisterin, Verwaltungschefin und Ratsvorsitzende werde ich mich am 29. Juni 2003 auch ganz persönlich zu diesem Vorhaben entscheiden müssen. In meiner Verantwortung für diese Stadt weiß ich, dass diese Entscheidung nicht einfach ist. Viele Gütersloherinnen und Gütersloher sind besorgt über die Finanzlage ihrer Stadt. Sie fürchten Belastungen, die aus einem solchen Vorhaben für zukünftige Generationen erwachsen könnten. Viele Menschen stehen generell dem Kulturleben mit Distanz gegenüber, weil sie andere Interessen vorziehen. Schließlich sind viele Bürgerinnen und Bürger besorgt, ob die Stadt Gütersloh im Angesicht eines solchen Vorhabens ihren Aufgaben in anderen Bereichen noch wird nachkommen können. Und doch setze ich mich entschlossen für den Neubau eines Theaters in Gütersloh ein. Ich setze mich auch deshalb dafür ein, weil es gerade in schwierigen Zeiten wichtig ist, Mut zu haben. Das haben frühere Generationen eindrucksvoll bewiesen, als sie sich in der unmittelbaren Nachkriegszeit für den Wiederaufbau der Apostelkirche stark gemacht haben, als Paul Thöne den Bau an der Barkeystraße durchgesetzt hat - in Zeiten, die von großer existentieller Not geprägt waren. Der Neubau eines Theaters in der Stadt Gütersloh ist auch in der jetzigen Zeit weder ein verfehltes Prestigeobjekt noch bürgerfern. Er ist eine wichtige Chance, notwendig und sinnvoll - für die Zukunft unserer Stadt. Als Bürgermeisterin habe ich mich seit Beginn meiner hauptamtlichen Tätigkeit in besonderer Weise um dieses Vorhaben gekümmert und es begleitet. Mir war es persönlich wichtig, dass im Rahmen der Neubauplanung ein Theater entsteht, das nicht mehr Geld kostet als nötig. Mir war es auch wichtig, dass dieses ein Theaterhaus für alle Gütersloherinnen und Gütersloher werden kann. Mit dem Entwurf von Professor Friedrich liegt eine professionelle, zeitgemäße und wirtschaftliche Planung für das Theater vor, das diesen Anforderungen genügt und zu Gütersloh passt. Als Bürgermeisterin war es mir — gemeinsam mit dem Kämmerer und den anderen Mitgliedern des Verwaltungsvorstandes — von Anfang an wichtig, dass das Vorhaben nicht die finanziellen Möglichkeiten der Stadt Gütersloh sprengt. Hierbei ist es wichtig, die Langfristigkeit eines solchen Projekts zu verstehen und nicht aus der jetzigen Problemlage die falschen Schlüsse für die mittel- und langfristige Perspektive unserer Stadt zu ziehen. Von Beginn an habe ich deshalb in der Frage der Finanzierung auf einer gesunden Mischung von Eigen- und Fremdkapital, von privatem Beitrag, Landesförderung und kommunalem Beitrag bestanden. Als Bürgermeisterin habe ich mich persönlich eingesetzt, um im Gespräch mit der örtlichen Wirtschaft, dem Land und Dritten das Vorhaben bezahlbar zu halten. Neben Rücklagen aus dem Teilverkauf der Stadtwerke in Höhe von 7,5 Mio. Euro und einem beeindruckenden, fest zugesagten Beitrag der örtlichen Wirtschaft von bislang 5 Millionen Euro gibt es positive Signale für die Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen für das Städtebauumfeld. Die hierdurch erreichte Quote der Dritt- und Eigenmittel ist bereits jetzt ein großer Erfolg für das Vorhaben und senkt die Lasten, die durch eine Fremdfinanzierung der Restsumme für die Stadt Gütersloh verbleiben. Als Bürgermeisterin werde ich mich auch bei der bevorstehenden schwierigen Anpassung des Leistungsprogramms der Stadt Gütersloh dafür einsetzen, dass nicht ein Politikfeld gegen das andere ausgespielt wird. Wir stehen in der Verpflichtung, uns für alle Menschen in dieser Stadt um Lebensqualität, soziale Sicherung und Perspektive zu kümmern. Mit aller Deutlichkeit muss aber auch gesagt werden, dass unser Einsparziel zur Erreichung eines ausgeglichenen Haushalts in Höhe von 7,9 Mio. Euro für das Jahr 2004 unabhängig vom Theaterneubau festgelegt ist: Auch wenn das Theater nicht gebaut wird, bleibt die Notwendigkeit zur Haushaltskonsolidierung in dieser Höhe bestehen! Und noch eine Anmerkung sei in diesem Zusammenhang gemacht: Es ist bei jeder anstehenden größeren Investition der Normalfall, dass abgewogen werden muss, dass man prüft, was zurückstehen muss, damit man an anderer Stelle etwas schaffen kann. Das ist in jedem privaten Haushalt nicht anders als bei der Kommune. Ich erinnere daran, dass das neue Theater jetzt schon bald zwanzig Jahre zurückgestanden hat. Als Bürgermeisterin bin ich überzeugt, dass dieser Theaterneubau eine von vielen Chancen ist, die unsere Stadt hat. Eine Chance, die diese Stadt nicht verpassen darf. Die Chance “Theater” bietet die Möglichkeit, den Wirtschaftsstandort zu stärken und qualifizierte Arbeitskräfte an Gütersloh zu binden. Die Chance “Theater” bietet Kindern und Jugendlichen mit ihren Familien und Schulen Raum, in dem sie Sprache, Darstellung und Kreativität praktisch erleben und ausprobieren können. Die Chance “Theater” bietet auch älteren Gütersloherinnen und Güterslohern Heimat für Lebensfreude und Anregungen durch Musik und Kultur. Die Chance “Theater” bietet schließlich Gelegenheit, notwendige Stadtentwicklung mit den dringend erforderlichen Impulsen für die heimische Wirtschaft zu verbinden. Ein "Nein" im Bürgerentscheid schlägt die Tür für diese Perspektiven zu, nur ein "Ja" hält den Weg offen. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam am 29. Juni Mut haben und diese Chance für unsere Stadt nutzen. Gütersloh im Juni 2003 Ihre Maria Unger 17.06.2003 |