BLESSENSTÄTTE

ÖFFNUNG DES KREUZUNGSBEREICHS

  • Fachbereich: 61/Stadtplatiung, 32/Ordnung, 66[Tiefbau
  • Erstellt durch: Herrn Wewer
  • Datum: 19.05.2005
  • PLANUNGSAUSSCHUSS 19.06.2005

Beratungsgegenstand:

Prüfauftrag zur Verkehrsführung im Knotenpunkt Blessenstätte/Kirchstraße/Berliner Straße/ Dalkestraße

Beschlussvorschlag:

  • Das Prüfergebnis wird zur Kenntnis genommen. Der Planungsausschuss beschließt für die Dauer eines Jahres einen Verkehrsversuch durchzuführen. Im Vorfeld und wäh-rend der Testphase ist die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger durch eine ange-messene begleitende Öffentlichkeitsarbeit sicherzustellen.

Sachverhalt:

Der Planungsausschuss hat die Verwaltung beauftragt, ein Konzept für eine alternative Verkehrs-
führung in dem Kreuzungsbereich Blessenstätte/Kirchstraße/Berliner Straße/Dalkestraße zu
erstellen.

Durch eine Änderung der derzeit als unbefriedigend empfundenen Verkehrsregelung sollte sicher-
gestellt werden, dass

  • sich die Verkehrsbelastung der Kirchstraße nicht wesentlich erhöht
  • der Ost - West - Durchgangsverkehr nicht wesentlich erhöht und
  • eine Rückzahlung der Landeszuschüsse vermieden wird.

Dabei sind folgende Punkte zu berücksichtigen: -

  • Abstimmung mit der Bezirksregierung und Kreispolizeibehörde
  • Vorbereitung der Probephase mit Darstellung der Zeitachse
  • Dokumentation der Verkehrsentwicklung

Verkehrssituation und verkehrliche Randbedlinaungen

Für den motorisierten Individualverkehr ( MIV ) verläuft die Haupterschließung der Parkierungsanlagen Daltropstraße und Münsterstraße über den Knotenpunkt Blessenstätte / Kirchstraße/Berliner Straße / Dalkestraße. Diese Verkehre verursachen für sich allein betrachtet keine tiefgreifenden Verträglich-keitsprobleme im Straßenraum. Erst die Oberlagerung mit Verkehren, die keine unmittelbaren Ziel- und Quellpunkte in diesem Bereich haben, führte in der Vergangenheit zu Verträglichkeitsproblemen. Die Knotenpunkte Blessenstätte / Kirchstraße und Blessenstätte / Unter den Ulmen stehen wegen der extremen Nähe in unmittelbarer Abhängigkeit zueinander.

Für den ÖPNV stellt die Kirchstraße eine äußerst wichtige Achse am südlichen Rand der Innenstadt dar. Dies zeigt sich insbesondere durch die starke Auslastung von ca. 350 Busbewegungen pro Tag.

Im Radverkehrsnetz ist die Verbindung Kirchstraße - Blessenstätte als Hauptradachse ausgewiesen. Die hier kreuzende Fahrradachse Dalkestraße bildet mit der Berliner Straße die Hauptroute für den Radverkehr zur und aus der Innenstadt. Spitzenstundenwerte von über 300 Radfahrern in der Dalke-straße und von bis zu 400 Radfahrern pro Stunde in der Berliner Straße beweisen die Attraktivität.

Der Kreuzungsbereich ist auch extrem stark von Fußgängern frequentiert. Auf der Furt in Verlängerung der Arkaden Berliner Straße - Bibliothek wurden bei nicht so guten Witterungsverhältnissen über 500 querende Fußgänger in der Stunde gezählt.

Die hier aufgeführten Verkehrszahlen zeigen die enorm hohe Bedeutung für den Rad- und Fußgänger-verkehr und das notwendige Schutzbedürfnis für die Verkehrsteilnehmer des nichtmotorisierten Verkehrs. Die Verkehrsreduzierung ist auch im Hinblick auf die historische Bausubstanz ein wichtiger Aspekt.

Verkehrsführung

Zielsetzung aller Lösungsansätze und Gegenstand aller Verkehrsführungen sollte die

  • Vermeidung von hohen Kfz-Mengen bei gleichzeitiger Sicherstellung der Erreichbarkeit der Innenstadt
  • sichere Führung von Radfahren und Fußgängern
  • Führung des OPNV ohne Zeitverluste
  • möglichst geringe Beeinträchtigung der anliegenden Nutzungen (Wohnen, Handel)

sein.

Kriterien hierfür sind

  • die straßenräumliche Verträglichkeit
  • Qualität für den Radverkehr und querende Fußgänger
  • Qualität des OPNV
  • Gestaltungsmöglichkeiten und Flächenverbrauch
  • Verkehrstechnische Leistungsfähigkeit

Die Mitte bis Ende der 90er Jahre diskutierte und letztendlich beschlossene Verkehrsführung beinhaltet nicht nur den unmittelbaren Kreuzungsbereich an der Stadtbibliothek. Bestandteil des damaligen Ge-samtkonzeptes sind auch die Straßenzüge Kirchstraße, Dalkestraße und der Blessenstätte bis zur Herzebrocker Straße in Höhe der Turnhalle des ESG. Die damals für die Innenstadt prognostizierte Verkehrsentlastung - unter Wahrung der Erreichbarkeit des Innenstadtbereiches - wurde seitens des Landes insgesamt so positiv gewertet, dass eine Förderung für die vg. Straßenzüge insgesamt bewilligt wurde.

Nach baulicher Umgestaltung und Änderung der straßenräumlichen Situation haben sich folgende positive verkehrliche Effekte eingestellt:

  • das verbotswidrige Verhalten einiger Autofahrer im Kreuzungsbereich der Bibliothek ist mengenmäßig gering. Die Verkehrsführung hat zu einer deutlichen verkehrlichen Entlastung von ca. 16.000 auf ca. 8000 Fahrzeuge pro Tag im Bereich der Kirchstraße geführt
  • der Einmündungsbereich Kirchstraße / Kaiserstraße wurde ebenfalls deutlich entlastet.
  • die Dalkestraße hat eine deutliche Verkehrsentlastung erfahren. Entsprechend dem Gesamtkonzept ist es hierdurch auch gelungen, die Radachse in Richtung Innenstadt zu realisieren.
  • verbesserte Verkehrsverhältnisse im Knotenpunkt Dalkestraße / Neuenkirchener Straße.
  • verbesserte Erschließung der Parkquartiere Münsterstraße / Daltropstraße von der Kirchstraße aus

Als negativer Aspekt ist zu nennen:

  • nach der Unterbrechung sind Teile des Verkehrs zu Umwegfahrten von bis zu 2 Min. gezwungen. Die Gewöhnungseffekte zur Orientierung im Hauptverkehrsnetz sind für die im Regelfall Ortskundigen aber relativ schnell eingetreten.

Das damals verkehrspolitisch erklärte Ziel zur Unterbindung der Durchgangsverkehre und Redu.zierung von Verkehren in anderen Straßenbereichen ist aus verkehrsplanerischer Sicht erreicht worden. Außer-dem wird deutlich, dass sich bei einer Änderung der Verkehrsbeziehungen nicht nur im Kreuzungs-bereich an der Bibliothek, sondern wegen des räumlichen Bezuges und der Lage im Netz, Auswir-kungen im gesamten Umfeld zu erwarten sind. Es sind bei der Beurteilung und Darstellung möglicher Auswirkungen auch die benachbarten Straßenräume und Knotenpunkte immer mit zu betrachten und zu untersuchen. (siehe Anlage)

Prüfauftrag

Basierend auf Analysedaten und vorhandene Gutachten wurden entsprechend der Beschlusslage erneut umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Dabei hat sich deutlich gezeigt, dass über mehrere Jahre alle nur erdenklichen Lösungsansätze geprüft und bewertet worden sind und hinsichtlich der Reduzierung der Durchgangsverkehre nur begrenzte Möglichkeiten bestehen. Es hat sich erneut bestätigt, dass Verkehrsienkung wirkungsvoll nur durch Unterbrechungen zu erzielen ist.

Ergebnis der neuerlichen Untersuchung ist, dass sich unter Berücksichtigung der Örtlichkeit und der Funktion zusätzliche bauliche Maßnahmen, die den Verkehr im Zuge der Blessenstätte bzw. Kirch-straße reduzieren sollen, kaum in die Straßenräume integrieren lassen. Eine Konzeption entsprechend der Beschlusslage bzw. ein möglicher Versuch unterliegt auf Grund der bereits beschriebenen Zusam-menhänge und verkehrlichen Randbedingungen deutlichen Zwängen.

Bedingt durch die bauliche Ausgestaltung des Knotenpunktes Blessenstätte und unter Berücksich-tigung der im Antrag formulierten Forderung, die innerstädtischen Verkehre in jeglicher Form zu ermöglichen, kann keine andere Lösung angeboten werden, die die Durchgangsverkehre insgesamt verhindern kann. Auch Überlegungen, Netzeingriffe an anderen Kreuzungspunkten und Aufstell-bereichen unter Berücksichtigung der geforderten uneingeschränkten Erreichbarkeit für innerstädtische Ziel- und Quellverkehre vorzunehmen, führen zu keiner befriedigenden Lösung. Hierdurch wären dann wiederum Auswirkungen auf andere Bereiche zu erwarten.

Wenn, wie im Antrag formuliert, im Bereich der Blessenstätte die Möglichkeit der Öffnung für innen-stadtbezogene Verkehre bzw. Parksuchverkehre geschaffen werden soll, verbleibt dann nur die Mög-lichkeit, die heute dem OPNV und Radfahrer vorbehaltenen Spuren für den Individualverkehr freizu-geben. Dies bedeutet im Einzelnen:

  • gepflasterte Spur in der Blessenstätte würde für den Geradeausverkehr in Richtung Kirchstraße und Rechtsabbiegen in die Dalkestraße genutzt
  • in der Kirchstraße würde die Busspur für Linksabbieger in die Dalkestraße und die derzeitige Rechts-abbiegespur in Richtung Berliner Straße auch vom Geradeausverkehr mitgenutzt.
  • wegen der Knotenpunktsgeometrie wird ein Linksabbiegen von der Dalkestraße in Richtung Blessen- stätte nicht ermöglicht werden können

Dabei ist besonders deutlich darauf hinzuweisen, dass aber nicht nur der Kreuzungsbereich Blessen-stätte / Kirchstraße / Dalkestraße / Berliner Straße in die verkehrstechnische Betrachtung einzu-beziehen ist. Auf Grund des außergewöhnlich geringen Abstandes zur Einmündung Unter den Ulmen / Blessenstätte, die nur ca. 60 m entfernt ist, bestehen hier nicht zu verkennende Wechselwirkungen. Dieser Zusammenhang wurde in der Vergangenheit häufig nicht registriert.

Wegen der begrenzten Stauraumlänge, nicht vorhandener Abbiegespuren und der vorfahrtberechtigten Führung des Straßenzuges Unter den Ulmen in die weiterführende Blessenstätte wird es bei ent-sprechender Verkehrszunahme zu Rückstauerscheinungen in den signalisierten Knetenpunkt Blessen-stätte kommen. Dies ist u. a. dadurch bedingt, dass der Linksabbieger von der Blessenstätte in die Straße Unter den Ulmen wartepflichtig ist und den Geradeausverkehr mangels eigener Spur blockiert. Deshalb soll hier das Linksabbiegen unterbunden werden.

Erweiterter Prüfauftrag

Überprüft werden sollte auch inwieweit eine Öffnung der Münsterstraße zwischen Parkhauszufahrt Karstadt / Berliner Platz und Hohenzollernstraße zu vertreten wäre. Des Weiteren sollte die Anlage von Parkmöglichkeiten innerhalb des Straßenraumes Berliner Straße zwischen Münsterstraße und Kreuzungsbereich Blessenstätte untersucht werden.

Die Münsterstraße dient der Erschließung der Innenstadt, der angrenzenden Parkquartiere und stellt eine wichtige Achse für den ÖPNV dar.

Der Verkehrsablauf in der Münsterstraße wird im Wesentlichen bestimmt durch die querende Fußgänger- und Radfahrachse von und zur Fußgängerzone. Auf Grund der Nähe zum Knotenpunkt Blessenstätte und zu erwartender Mehrverkehre wird dies als nicht verträglich und wünschenswert angesehen.

Dies widerspricht auch dem vom Planungsausschuss beschlossenen städtebaulichen Ziel zur Umgestaltung der Münsterstraße, für die eine Förderung beantragt wurde. Darüber hinaus ist mit einer Erhöhung der Verkehrsbelastung zu rechnen, was wiederum die angrenzenden Straßenräume negativ beeinflusst.

Da wie bereits dargestellt, die wichtige Radachse Dalkestraße / Berliner Straße in diesem Bereich verläuft und die für die Innenstadterschließung bedeutenden Verkehre verträglich abgewickelt werden müssen, sind Parkvorgänge im direkten Stauraumbereich als nicht verträglich abzulehnen. Auch stünde die Anzahl der gewonnenen Parkplätze und der aus Verkehrssicherheitsgründen freizu-haltenden notwendigen Sichtbeziehungen auf querende Fußgänger in keinem adäquaten Verhältnis.

Abstimmung Kreispolizeibehörde ( KPB)

Am 09.05.2005 fand ein Abstimmungsgespräch statt. Die KPB erklärte, dass die derzeitige Lösung aus ihrer Sicht hinsichtlich der fehlenden Durchfahrmöglichkeit für Auswärtige und zum Teil auch für innerstädtische Verkehrsbeziehungen Nachteile aufweise. Man verkenne nicht die positiven Aspekte der Lösung, richte aber weniger Augenmerk auf die Verkehrstärke als auf die Verkehrssicherheit. Gegen einen Versuch spreche aus ihrer Sicht zur Zeit nichts.

Ein LKW Verbot werde wegen fehlender Kontrollmöglichkeiten abgelehnt.Das Linksabbiegen von der Dalkestraße in Richtung der Blessenstätte solle hinsichtlich der Verkehrssicherheit ausgeschlossen werden. Das Linksabbiegen von der Blessenstätte in Richtung Unter den Ulmen solle aus Gründen möglicher Rückstauerscheinungen kritisch hinterfragt werden.

Abstimmung mit der Bezirksregierung

Seitens der Förderbehörde wurde nochmals dargestellt, dass die Förderung auf der Verkehrsredu-zierung basiere. Damit seien wegen des verkehrlichen Bezuges alle Fördermaßnahmen gemeint. Ein Öffnen bzw. Zulassen der Verkehrsrelation Kirchstraße - Blessenstätte und umgekehrt könne im Rahmen eines Verkehrsversuches überprüft werden. Mögliche Rückzahlungsansprüche würden anteilmäßig den Verkehrszunahmen geltend gemacht. Falls es zu einem Versuch komme, sei dies über einen längeren Zeitraum von ca. einem halben Jahr durchzuführen, da eine einzelne Momentauf- nahme keinen genügenden Aufschluss liefere. Der Nachweis zu den verkehrlichen Auswirkungen beziehe sich aber nicht nur auf den Bereich der Blessenstätte/Kirchstraße, sondern wegen des Netzzusammenhanges auf alle angrenzenden Straßenräume und Knotenpunkte

Wertung

Mit der bestehenden Verkehrsregelung sind die bereits damals formulierten Ziele, wie Reduzierung der belastenden Durchgangsverkehre, Verbesserung der Verhältnisse für den ÖPNV und Radverkehr und Erreichbarkeit der Parkquartiere Münsterstraße - Daltropstraße erreicht worden. Die Netzunter-brechung und die dadurch bedingten positiven verkehrlichen Effekte in der Kirchstraße, Blessenstätte, Dalkestraße ermöglichten die später umgesetzten Umgestaltungsmaßnahmen und Weiterführung des Netzschlusses für den Radverkehr. Ein Lösungsansatz für die in den Anträgen gewünschte Erreich-barkeit aller Innenstadtbereiche, bei gleichzeitiger Vermeidung von Durchgangsverkehren, wird nicht gesehen. Bei einem Versuch bestimmt die bereits beschriebene Abhängigkeit und unmittelbare Nähe der Knoten Blessenstätte/Kirchstraße und Blessenstätte/Unter den Ulmen den Verkehrsablauf. Bei einer unverträglichen Verkehrszunahme wird hier besonders deutlich, welche Auswirkungen eine Freigabe der Fahrbeziehung Kirchstraße / Blessenstätte hat. Sobald sich herausstellt, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist, müsste der Versuch abgebrochen werden. Darüber hihaus ist auch zu berücksichtigen, dass auch die Kirchstraße wegen der Pflasterbauweise nicht mit mehreren tausend Fahrzeugen zusätzlich belastet werden kann und die positiven Aspekte völlig verloren gingen.

Da in der Vergangenheit die Diskussion auch von einer deutl ichen Emotionalität getragen war und davon auszugehen ist, dass ohne Klärung bzw. Visualisierung der tatsächlichen Verkehrszunahmen auch weiterhin Änderungsanträge gestellt werden, könnte die Durchführung eines Versuches in Er-wägung gezogen werden. Es bleibt also politisch zu entscheiden, ob eine Versuchsphase realisiert werden soll.

Bei entsprechender Beschlussfassung sollte aus Sicht der Verwaltung ein Versuch nicht vor Septem-ber 2005 durchgeführt werden, da bedingt durch andere Baumaßnahmen eine außergewöhnliche Verkehrsbelastung des Bereiches Blessenstätte zu erwarten wäre.

Die Kosten für eine Änderung der Signalisierung ( Provisorium mit Festzeitsteuerung) Markierung und sonstiger begleitender Maßnahmen werden auf ca. 10.000 € geschätzt.