“Kompromiss der Kompromisse”Podiumsdiskussion zur Blessenstätte Gütersloh (rb). Zur Verkehrsführung Blessenstätte/Kirchstraße sei zwei eigentlich “schon alles gesagt worden”, meinte Norbert Morkes, Fraktionsvorsitzender der Bürger für Gütersloh (BfGT). Doch angesichts der “neuen politischen Verhältnisse” im Rat solle das Thema noch einmal aufgegriffen werden. Zum Auftakt der BfGT-Diskussionsreihe “Pro & Kontra“ äußerten sich unter Morkes Leitung vor etwa 80 Besuchern im Brauhaus Betroffene und Politiker zu der Frage, ob die beiden Straßen wieder verbunden werden sollen oder nicht. Jutta Klessmann-Winning wies auf die für die Interessengemeinschaft Neuenkirchener-/Dammstraße unerträgliche Zunahme von Verkehr hin. Statt wie einst durch die Kirchstraße strebten Autofahrer nun (“Ab halb sechs tobt der Bär”) über die Neuenkirchener dem Bahnhof oder den großen Firmen im Osten der Stadt zu. Durch die an der Ecke Neuenkirchener-/Feuerbornstraße geplante Ampel werde der Verkehr dort “kollabieren”, befürchtete Andreas Eickhoff im Namen von 60 Unterzeichnern eines Bürgerantrages. Für eine Öffnung der Achse Blessenstätte/Kirchstraße plädierte auch Bärbel Hentze-Schmidt aus Sicht von Anliegern der Blessenstätte. Über Belastungen durch Schleichwegbenutzer klagte Christoph Winkler als Anwohner der Daltropstraße. Andreas Müller von der Interessengemeinschaft historische Innenstadt wiederum wandte sich strikt dagegen, die jetzige Regelung abzuändern. Der Autoverkehr habe das Quartier Kirchstraße “tot gemacht”. Es müsse jedoch in die Innenstadt integriert und auch als Gegenpol zum Kolbeplatz aufgewertet werden. Zu den alten Zuständen an der Kirchstraße wollte auch keiner der Politiker zurück. Siegfried Kornfeld (Grüne) nannte die momentane Lösung den “Kompromiss der Kompromisse”, SPD-Fraktionschef Gerhard Lüdeling verwies auf die vorangegangenen Diskussionen und forderte “Mut zur Entscheidung”. FDP-Vertreter Tassilo Hardung konnte “keine Lösung, die allen gerecht würde”, erkennen. Das Geradeausfahren wieder zu ermöglichen und mit flankierenden Maßnahmen zu regulieren, verlangten Klaus Sperling (BfGT) und Stefan Genth vom Einzelhandelsverband OWL, Norbert Bohlmann von der UWG fand, “etwas mehr” Verkehr könne zugelassen werden. Von einem “gordischen Knoten“” sprach CDU-Ratsherr Dr. Thomas Foerster. Alle wollten Ziel-, aber keinen Durchgangsverkehr. Er halte es für denkbar, die Sperrung aufzuheben, ohne dass das Verkehrsaufkommen wachse. “Ich möchte es gern ausprobiert haben”, so Dr. Foerster. Dazu ein Anlieger: “Bitte verschonen Sie uns mit noch einer neuen Probephase.” Zu der seit langem von vielen als unzureichend bemängelten verkehrsleitenden Beschilderung im Stadtgebiet kündigte Gerhard Lüdeling an, die Verwaltung werde dem Planungsausschuss in Kürze ein neues Leitsystem “aus einem Guss” vorstellen. NW Erscheinungsdatum: 02.12.1999 |